Mellrichstädter Appell zur Landtagswahl in Bayern 2018

Vor mehr als 200 Zuhörern im Veranstaltungssaal Raum 7 in Mellrichstadt (Landkreis Rhön-Grabfeld) ist Enoch zu Guttenberg, Ehrenpräsident des VLAB, mit der deutschen „Energiewende“ abermals hart ins Gericht gegangen. Veranstalter des Abends war die Kreisgruppe Rhön-Grabfeld des VLAB sowie der Verein zum Schutz der Umwelt und des Kulturerbes in Rhön-Grabfeld (SUKRG). Die Initiativen planen derzeit, gegen das bereits gebaute Windindustriegebiet „Streu und Saale“ rechtliche Schritte einzuleiten und baten dafür um finanzielle Unterstützung. Der „Wind-„park“ mit zehn  Anlagen sei ein ohne wirksame baurechtliche Genehmigung errichteter „Schwarzbau“ und müsse rückgebaut werden.

Guttenberg gab in seiner Rede den Startschuss zur Vorwahl-Kampagne des VLAB und aller Windkraft und Energiewende kritischen Bürgerinitiativen in Bayern. Voraussichtlich am 14. Oktober finden in Bayern Landtagswahlen statt, bei denen erstmals Markus Söder als designierter CSU-Ministerpräsident antreten wird. An ihn vor allem richtet sich Guttenbergs

Mellrichstädter Appell zur Energiewende in Bayern

  1. Keine Aufweichung oder gar Abschaffung der 10-H-Abstandsregelung in Bayern.
  2. Erweiterung der 10-H-Abstandsregelung auf kleinere Ortschaften, Streusiedlungen und bewohnte Einzelgehöfte, in denen es keinen gültigen Bebauungsplan gibt. Diese sind nämlich bisher von der 10-H-Abstandsregelung ausgenommen.
  3. Grundsätzliches Verbot des Baues von Windrädern in Naturparks und Landschaftsschutzgebieten. Dafür genügt eine einfache Ergänzung im bayerischen „Winderlass“.
  4. Grundsätzliches Bauverbot von Windrädern in Wäldern. Auch hierfür genügt eine Ergänzung im „Winderlass“. Rechtsgrundlage wäre das Bayerische Waldgesetz Art. 1, nach dem die „Waldfläche zu erhalten und erforderlichenfalls zu vermehren“ ist.

Die dringend nötige Abschaffung des EEG und der Privilegierung von Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien im Baugesetzbuch sei natürlich wünschenswert, jedoch unter der gegenwärtigen Zusammensetzung des Bundestages leider eine Utopie und derzeit wohl nicht realisierbar, sagte Guttenberg in seiner knapp zweistündigen, immer wieder von Beifall unterbrochenen Ansprache.

Guttenberg schloss seine Rede mit einem Appell an eine grundsätzliche  „Lebenswende“:

„Meine Damen und Herren, ich möchte Sie nach dieser langen Rede, der Sie so aufmerksam und geduldig zugehört haben, entlassen mit einem Zitat des französischen Ökonomen und Philosophen Serge Latouche, der mit dem Konzept der „nachhaltigen Entwicklung“, dem auch das viel beschworene „grüne Wachstum“ mitsamt der in unserem Land auf so verhängnisvolle Weise exekutierten Energiewende zugerechnet werden kann, hart ins Gericht geht:

Die Theorie der nachhaltigen Entwicklung, so Latouche, „erweist sich insofern als besonders trügerisch, weil sie die Menschen in dem Glauben belässt, die Krise sei zu lösen, ohne dass man die Logik des Marktes, der Ökonomisierung aller Lebensbereiche bis hinein ins menschliche Vorstellungsvermögen, die Geldwirtschaft und die grenzenlose Expansion des Kapitals anficht. In Wirklichkeit ist sie letztlich zum Scheitern verurteilt, sofern sie einem System von Produktion und Konsum verhaftet bleibt, das selbst der Hauptverursacher ebenjener Schäden ist, die sie zu beheben trachtet“.

Ich glaube fest daran, dass wir die derzeitige Epochenkrise nur lösen können, wenn wir wieder ein Brett bohren, das die allermeisten Politiker nicht mehr bohren wollen, weil es keine Wählerstimmen verspricht. Es ist das dickste aller Bretter im Umweltschutz, wie ich ihn verstehe. Wir müssen Abschied nehmen von dem heutigen System von Massenproduktion und Massenkonsum, wie es sich in aller Schärfe und zerstörerischen Gewalt seit dem Zweiten Weltkrieg herausgebildet hat.

Ja, wir brauchen eine Wende. Keine Energiewende, sondern eine Lebenswende, orientiert an der neuen, alten Kultur des Maßhaltens. Wir müssen das Zeitalter der „liquiden Moderne“, wie der polnisch-britische Soziologe Zygmunt Baumann sie beschrieben hat, hinter uns lassen, bevor es richtig begonnen hat. Eine Epoche, die überall das Solide, das Dauerhafte, das Verbindliche durch das Flüchtige, Vergängliche, Unverbindliche zu ersetzen begonnen hat und den mörderischen Produktivismus und Konsumismus des Industriezeitalters noch einmal gesteigert hat zu einem wahren Hexensabbat der Verschleuderung und Verschwendung von Ressourcen, die über Jahrmillionen entstanden sind.“

Spendenkonto VLAB-Kreisverband: VR-Bank Rhön-Grabfeld, BIC: GENODEF1MLV, IBAN: DE04 7906 9165 0001 0271 74

Spendenkonto SUKRG: Deutsche Postbank, BIC: PBNKDEFF, IBAN: DE14 7601 0085 0081 3618 56

Artikel in der Main-Post zu Guttenbergs Rede

Rhöner Rede von Enoch zu Guttenberg (ungekürzte PDF)

Video der Rede von Enoch zu Guttenberg

1 Antwort
  1. Gerd Hamilton
    Gerd Hamilton sagte:

    Bereits zu dem eindringlichen Appell zum Schutz unserer Kulturlandschaften und deren Lebensvielfalt unter dem Titel „Irrungen, Wirrungen – Das EEG und der Verlust von Natur und Kultur“ haben wir auf unserer Website bi-boehmfeld verlinkt. Zum Mellrichstädter Appell werden wir in den nächsten Tagen ebenfalls verlinken. Die wortgewaltigen und hochemotionalen Reden von Enoch zu Guttenberg prangern völig zu recht den geistigen Ablasshandel an, mit der die selbsternannten Weltenretter und Unterstützer von zerstörerischen „Öko“-Technologien meinen, etwas Gutes zu tun, statt die Anstrengungen auf Energieeffizienz und das persönliche, auch mit Einschränkungen verbundene Verhalten zu legen. Lieber vernichten diese ökologischen Amokläufer das Schutzgut Natur und streng geschützte Arten und quälen das Schutzgut Mensch im „Hier und Jetzt“. Kein Natur-, Arten- und Landschaftsschützer ist glaubwürdiger als dieser Vertreter der ersten Stunde des Naturschutzes in Deutschland!

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