Wichtige Hintergrundinformationen

Projektbeschreibung

Das Projekt zur Wiedereinbürgerung der Habichtskäuze soll im Jahr 2017 mit der ersten Freilassung von Jungeulen im Naturpark Steinwald (Bayern/Oberpfalz/Landkreis Tirschenreuth) starten. Diese werden zuerst ab Ende Juni in Freilandvolieren an das Klima und auf die artgemäße Jagd nach ihrer Hauptbeute, den Mäusen, eingewöhnt. Ab Anfang August erfolgt dann ihre endgültige Auswilderung. Sie verbreiten sich in einem Radius von rund 50 km um das Auswilderungsgebiet im Steinwald.

Bisher gibt es in Bayern nur eine Kleinpopulation im Nationalpark Bayerischer Wald und in dessen Randbereichen mit einem hohen Isolations- und Aussterberisiko. Der von Südosten nach Nordwesten verlaufende nahezu zusammenhängende, nur gering fragmentierte und dünn besiedelte Mittelgebirgskamm entlang des Sauwaldes (Donau), Böhmerwaldes, Oberpfälzer Waldes, Steinwaldes, Fichtelgebirges und Thüringer Waldes stellt eine herausragende Ausbreitungsachse für die waldbewohnende Eulenart dar. Eine Ausweitung des Habichtskauzbestandes nach Nordwesten ist daher ein wertvoller Puffer gegen bedrohliche Bestandsschwankungen für dessen Kleinvorkommen im Bayerischen Wald und eine Erhöhung der genetischen Variabilität. Der Habichtskauz soll als wichtige Leitart für verschiedenste floristische und faunistische Artengruppen dienen, um die Biodiversität und die Lebensräume der Nordbayerischen Kultur- und Waldlandschaften und der angrenzenden Waldlandschaften in Sachsen, Thüringen und Tschechien zu verbessern.

Das Projekt wird mit rund 650.000 Euro Kosten kalkuliert. Es ist außerhalb eines Nationalparks für Deutschland bisher einmalig. Die Wiedereinbürgerung stößt auf eine breite gesellschaftliche Akzeptanz. Alle natur- und tierschutzrechtlichen Genehmigungen wurden erteilt. Die IUCN-Richtlinien für eine Wiedereinbürgerung werden eingehalten. Das Gebiet wurde von Experten (Dr. Friedrich Buer, Prof. Dr. Jörg Müller) als geeignet beurteilt.

Projektziele
  • Etablierung einer ohne menschliche Hilfe überlebenden Habichtskauz-Population in Nordbayern mit mindestens fünf reproduzierenden Brutpaaren im Umkreis von 50 Kilometern um das Auswilderungsgebiet,
  • Verbesserung der Waldlebensräume mit Synergieeffekten für zahlreiche Artengruppen aus dem Pflanzen-, Tier- und Pilzreich,
  • Umweltbildung und Umweltpädagogik für Kinder und Jugendliche,
  • Terrestrische Telemetrie einzelner freigelassener Tiere zur Nachvollziehung ihrer Wanderungen und bevorzugten Lebensraumstrukturen,
  • Horstmonitoring,
  • Kontrolle der Brutpaare durch „Verhören“, Sichtbeobachtungen sowie von Gewölle- und Federfunden,
  • Schulung und Begleitung der freiwilligen Habichtskauz-Beobachter,
  • Vorträge, Öffentlichkeitsarbeit & Broschüren,
  • Begleitende wissenschaftliche Studien (Bachelor- und Masterarbeiten),
  • Zwischen- und Endsymposium.
Über den Habichtskauz

Noch im 19. Jahrhundert brütete der Habichtskauz (Strix uralensis) im Bayerischen-, Böhmer- und Oberpfälzer Wald. Der letzte Habichtskauz in Mitteleuropa wurde mutmaßlich um 1926 bei Sušice im Böhmerwald abgeschossen. Vorkommen in Deutschland sind aktuell nur aus dem Bayerischen Wald bekannt. Der Ornithologe Wolfgang Scherzinger berichtete im Ornithologischen Anzeiger (2006, Nr. 45, Heft 2/3) von einem Brutplatz aus dem Jahr 1992 in einer hohlen Eiche im Fichtelgebirge. In dem Artikel nennt er auch weitere einzelne ältere Sichtbeobachtungen aus Nordbayern.

Der Habichtskauz ist mit einer Größe von rund 60 cm und einer Spannweite von bis zu 125 cm der größte Kauz Mitteleuropas. Er bevorzugt ältere Mischwälder mit Buchen, durchsetzt mit freien Flächen (Waldwiesen, Kahlflächen, Sturmwurfflächen), um besser nach seiner Hauptbeute, den Mäusen, suchen zu können. In mäusearmen Notzeiten jagt er auch kleinere Vögel, Amphibien und größere Insekten; nur extrem selten frisst er auch Aas. Er brütet in großen Baumhöhlen, auf abgebrochenen höheren Baumstümpfen, aber auch in verlassenen Greifvogelhorsten. Sehr gerne nimmt er auch künstliche Nisthilfen an.

Ruf Habichtskauz

Auswilderungsgebiet
Das Auswilderungsgebiet des Habichtskauz-Projekts in Nordbayern

Das Auswilderungsgebiet des Habichtskauz-Projekts in Nordbayern. Für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf die Abbildung.

Das Kerngebiet der Wiedereinbürgerung liegt im Naturpark Steinwald im Landkreis Tirschenreuth/Oberpfalz in einer Höhenlage von ca. 600 – 820 Meter ü. NN. Es ist mit rund 13.500 Hektar zum Großteil als „Landschaftsschutzgebiet innerhalb des Naturparks Steinwald“ (LSG 00568.01) ausgewiesen.

Eingebettet zwischen Fichtelgebirge und Oberpfälzer Wald wölbt sich der bis zu 920 Meter hohe Granitrücken des Steinwaldes zu einem markanten Landschaftsbild empor. Bergkuppen und Bergrücken, bizarre Felsformationen mit Blockhalden, kleine oligotrophe Waldbäche, stehende Gewässer, moorige Flächen, extensiv bewirtschaftetes Grünland und große zusammenhängende Wälder mit zahlreichen ruhigen Waldwiesen charakterisieren die naturnahe, strukturreiche Landschaft des Projektgebietes. Das Mittelgebirge besteht überwiegend aus Granit und wird stellenweise von Basalt mit markanten locker bis licht bewaldeten laubholzreichen Kuppen und Blockschutthalden durchbrochen.

Die Wälder setzen sich aus Fichten gemischt mit Buchen, Lärchen, Kiefern, sowie einzelnen Birken, Ebereschen, Roterlen, Eschen, Bergahornen und Weißtannen zusammen. Auf den Basaltkuppen stocken teilweise sehr alte Edellaubholzwälder (über 200 Jahre) mit Bergahorn, Sommer- und Winterlinde, Buche, Esche, einzelnen Bergulmen und Weißtannen. Die naturnahen Basaltkuppen sind als FFH/Natura 2000-Gebiete ausgewiesen. Das Angebot an starkem stehendem Totholz der FFH-Gebiete ist sehr hoch, im umgebenden naturnahen Wirtschaftswald durchschnittlich.

Schirmherr
Habichtskauz-Schirmherr Andreas Kieling

Übernimmt die Schirmherrschaft für das Habichtskauz-Projekt: Andreas Kieling (© andreas-kieling.de)

Der bekannte Tier- und Dokumentarfilmer Andreas Kieling ist Schirmherr des Projekts zur Wiederansiedlung des Habichtskauzes in Nordbayern.

Der VLAB ist glücklich und stolz, einen solch authentischen Habichtskauz-Paten für das Projekt gewonnen zu haben.

Weitere Informationen zu Andreas Kieling und seiner Arbeit erhalten Sie auf seiner Webseite andreas-kieling.de.

Sponsoren & Unterstützer

 
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